Wünsche der Kinder

     

Meine Träume, Wünsche, Hoffnungen für die Zukunft!

Von 24 Jugendlichen haben sich 15 freiwillig gemeldet. Diese Gespräche sind in unseren Augen so interessant, dass ich sie hier wiedergebe. Uns wurde klar, dass Familie und Heimat Dolpo ganz im Zentrum ihres Denkens stehen und dass Glück anders definiert wird als es Jugendliche hier tun. Glück bedeutet in erster Linie Wohlergehen der Familie. Erstaunlich ist auch, dass sich die Jungen – vor allem als ältester oder einziger Sohn – weniger frei in ihren Entscheidungen fühlen als die Mädchen. Gehen wir davon aus, dass ein grosser Teil der Mütter Analphabetinnen sind, zum Teil auch die Väter und die Eltern als Halbnomaden leben, dann ist es erstaunlich, wie sehr die Jugendlichen ihre Pläne auf die Eltern und mit den Eltern abstimmen wollen.
Hinzu kommt, dass sie wissen, dass der Schulverein ein Universitätsstudium nicht finanzieren kann. Da müsste im jeweiligen Fall individuell eine Lösung gesucht oder mit dem Sponsor abgesprochen werden. Wir finanzieren nach der 10. Klasse eine Berufsausbildung oder den Besuch des Colleges (Klasse 11 und 12). Nach dem College kann man in Nepal ohne weitere Ausbildung als Grundschullehrer arbeiten

Chhoeying Norbu (m) 20 Jahre alt, Klasse 12, aus Namdo, 7 Schwestern,
Vater behindert (hat rechten Arm verloren)

Ich bin der einzige Sohn und meine Eltern brauchen mich. Deshalb gehe ich im kommenden Jahr nach meinem Abschluss als Lehrer nach Namdo zurück. Wenn ich nicht zurückgehe, kann meine Schwester nicht ins Hostel kommen und die Sekundarschule besuchen, weil sie helfen muss.
Mein Traum wäre eine weitere Ausbildung um Lehrer in naturwissenschaftlichen Fächern zu werden. Aber das geht nicht.

Pema Tsewang (m) 20 Jahre, Klasse 12, aus Namdo, ein Bruder

Mein Traum wäre Amchi zu werden (tibetischer Naturheilarzt), aber meine Eltern brauchen Hilfe, deshalb habe ich meine Pläne geändert. Das Leben im Dolpo ist sehr hart, ich möchte die Bildungssituation verbessern und gleichzeitig meinen Eltern helfen. Um eine bessere Berufsausbildung zu bekommen, möchte ich gern noch den Bachelor in Education machen, ich muss aber erst mit den Eltern sprechen, ob sie mich noch länger entbehren können. (Anmerkung: Pema Tsewang wäre in der glücklichen Situation, dass die Patin die Kosten der Studiengebühren übernehmen würde)

Dolma Choekyi (f) 19 Jahre, im 2. Ausbildungsjahr als Health Assistant, aus Karang, 1 Bruder

Ich kann meine Pläne verwirklichen, ich will Doktor werden (Anmerkung: Health Assistant ist eine Ausbildung als „Doctor for Remote Area“) Ich möchte im Dolpo in unseren Dörfern arbeiten, die Gesundheitssituation dort ist sehr kritisch. Es fehlen ausgebildete Leute.

Pema Dolma, 16 Jahre, Klasse 10, aus Namdo, 2 Geschwister

Ich würde sehr gern Ärztin werden, aber das ist unmöglich, denn meine Eltern können es nicht bezahlen, und ich glaube nicht, dass meine Sponsorin das tun würde. Es kostet viel Geld. Deshalb möchte ich Health Assistant werden und dann irgendwo im Dolpo arbeiten und dort leben. Mein Bruder schaut nach den Eltern.

Pasang Bhuti (f) 16 Jahre, Klasse 10, aus Namdo, 8 Brüder

Ich würde gern eine Bankausbildung machen. Nach Klasse 10 möchte ich aufs College mit dem Schwerpunkt Mathematik und Accounting. Mein Traum wäre eine Arbeit bei der Nepal Investment Bank. Ich freue mich auf die Reise nach Dharamsala, vielleicht bekomme ich neue Ideen, wie ich meine Pläne umsetzen kann. Aber ich werde es schaffen. Meine Brüder schauen nach den Eltern. Da ich wohl kein Studium bezahlt bekommen werde, will ich als Mathematiklehrerin Geld verdienen und sparen für ein Studium

Pema Sangmo (f) 16 Jahr alt, Klasse 10 aus Namdo, 6 Geschwister, davon 3 Brüder

Eigentlich würde ich gern Krankenschwester, das wäre mein Traum – aber meine Zensuren in den naturwissenschaftlichen Fächern sind nicht so gut, deshalb werde ich wohl nicht die Aufnahmeprüfung bestehen. Ich werde das College besuchen und nach der 12. Klasse als Lehrerin ins Dolpo gehen. Ich bin gut in Mathematik und Mathe-Lehrer sind gefragt.

Tsultrim (m) 16 Jahre alt, Klasse 10, aus Namdo, 4 Geschwister (davon 3 Brüder)

Ich möchte nach der 10. Klasse aufs College mit dem Schwerpunkt auf Handel und Wirtschaft/Verwaltung. Solche Leute braucht es im Dolpo. Das muss ich aber mit meinen Eltern besprechen, ob sie zustimmen und auf mich verzichten können. Wenn das nicht klappt, würde ich als Lehrer arbeiten in Social Subjects (Geschichte, Geographie und Wirtschaft)

Dawa Dorje (Bruder von Pasang Bhuti) 15 Jahre, Klasse 9, aus Namdo, 7 Brüder, 1 Schwester

Mein Traum wäre ein Ingenieurberuf, ich möchte Strassen und Brücken bauen. Das fehlt im Dolpo überall. Deshalb will ich auch Mathematik und Naturwissenschaften auf dem College belegen, aber das muss ich mit den Eltern besprechen. Amchi, tibetischer Arzt, wäre sonst auch eine Möglichkeit, aber als Ingenieur könnte ich viel bewirken.

Dawa Lhamo (f) 15 Jahre , Klasse 9, aus Karang, 6 Geschwister (davon 5 Brüder)

Ich möchte Sozialarbeiterin werden. Ich möchte den Menschen helfen, die krank sind, kein Zuhause und wenig oder nichts zu essen haben, Kindern ohne Eltern…Ich habe das Erdbeben erlebt und danach viel Schreckliches gesehen. Da möchte ich arbeiten und helfen. Jobs gibt es bei der Regierung und bei ausländischen NGO´s. Meine Brüder schauen nach den Eltern

Pema Tenzin (m) 15 Jahre, Klasse 8, aus Namdo, 5 Geschwister (davon 3 Brüder)

Ich möchte im Tourismus arbeiten. Wenn ich die Möglichkeit habe, möchte ich ein richtig ausgebildeter Guide werden, der den Touristen unsere schönen Landschaften, die Naturreservate und die Baudenkmäler zeigt. Am liebsten möchte ich da arbeiten, wo es Naturreservate, Schutzzonen und Weltkulturerbe gibt. Zwei meiner Brüder sind bei meinen Eltern, so dass ich relativ Freiheit im Planen habe.

Pema Choezom (f) 16 Jahre, Klasse 9, aus Namdo, 8 Geschwister (davon 3 Brüder)

Ich würde sehr gern Ärztin werden, und zwar Augenärztin. Im Dolpo können viele alte Leute schlecht sehen oder sind gar blind. Auch jüngere verlieren durch Krankheit das Augenlicht und können nicht in die Hauptstadt reisen, weil es zu teuer ist. Aber niemand wählt diesen Beruf, der so wichtig ist. Ich bin sicher, wenn ich nur richtig darauf hin arbeite, kann ich das Ziel erreichen.

Tenzin Norbu, Bruder von Pema Sangmo,15 J, Klasse 9, 6 Geschwister (davon 2 Brüder)

Ich würde sehr gern ein Touristen-Guide werden, einer der im Dolpo arbeitet. Es gibt kaum Guides aus dem Dolpo. Die kommen mit den Trekkinggruppen aus Kathmandu. Ich will gut Englisch lernen, weiss aber noch nicht, wie man Guide wird. Ich will das nach der 10. Klasse mit den Eltern besprechen, als Guide im Dolpo kann ich ihnen auch zu Hause viel helfen
Oder ich werde Lehrer mit den Fächern Gesundheit/Hygiene etc. Da braucht es im Dolpo noch viel Erziehung.

Pema Dardhul (m) 16 Jahre, Klasse 8, aus Namdo, 2 Brüder, 1 Schwester

Ich würde gern ein Businessman im Bereich internationaler Transporte werden! (Anmerkung: wir waren so erstaunt, dass wir ihn unterbrachen und fragten, wie er sich das vorstellt) Wir haben 4- 5 Yaks in der Familie, ich möchte noch welche dazu kaufen. Dann treibe ich Handel mit Hilfe von Yak-Karawanen nach China und von dort ins Dolpo, vom Dolpo nach Südnepal oder bis Indien. Aber ich will nur mit Lebensmitteln handeln. Und wenn es mal eine Strasse gibt, dann kaufe ich mir einen Lastwagen.
Mein Traum wäre eine Fussballkarriere –aber in die guten Clubs in Nepal kommen nur Hindus aus den hohen Kasten – da habe ich als Buddhist und Dolpopa null Chance. (Anmerkung. Er ist der gute Goalie)

Lhakpa (m) 13 Jahre, Klasse 7, aus Karang, 4 Geschwister

Ich würde gern richtige Häuser bauen, darum möchte ich Bauingenieur werden. Ich bin sehr gut in Mathe und Zeichnen. Aber das müssen meine Eltern entscheiden, sonst werde ich Lehrer im Dolpo und kann ihnen nach Schulschluss helfen.

Tsering Wangmo (f) 13 J, Klasse 7, aus Namdo, 3 Geschwister

Ich habe noch keine genauen Ideen, aber ich würde gern Zahnärztin. Ich weiss nicht genau, wie man das wird – aber das wäre toll. Denn im Dolpo gibt es keine Zahnärzte und viele Leute haben grosse Probleme mit den Zähnen. Meine Grossmutter schluckt immer Schmerzmittel, weil sie so Zahnweh hat.
Die Gespräche wurden im November 2016 in Kathmandu im Hostel durchgeführt von Ursulena Heilmann und Sonngard Trindler
Zusammenstellung des Textes: Sonngard Trindler