Mustang liegt nördlich der Himalaya-Hauptkette und bildet so eine Einheit mit dem tibetischen Hochland. Das Klima ist sehr trocken, da die Monsunwolken aus dem Süden das Gebiet nicht erreichen. Es liegt im Windschatten der hohen 8000er Berge. Landwirtschaft ist nur da möglich, wo die Felder bewässert werden können.
Das Landschaftsbild wird durch das Flusssystem des Kali Gandaki bestimmt. Der Kali Gandaki durchbricht die Himalaya-Hauptkette von Nord nach Süd und bildet bei seinem Durchfluss zwischen Annapurna und Dhaulagiri die tiefste Schlucht der Erde. Erosion und ständiger Wind haben fantastische Gebilde in Fels, Sandstein und Lehm geformt – eine karge, einmalig schöne Landschaft.
Die Bewohner Mustangs sind nicht weltfremd, wie man glauben könnte, sondern ihnen stand bei allen Restriktionen der Weg nach Süden offen und den haben sie genutzt und nutzen ihn noch heute. Sie pendeln «zwischen den Welten».
Sie sprechen Tibetisch und sind Buddhisten, aber sie gehören zu Nepal – die Amtssprache ist Nepali und der offizielle Glaube ist der Hinduismus. Die meisten Familien haben inzwischen den Hindu-Familiennamen «Gurung» angenommen, der eigentlich eine Volkszugehörigkeit kennzeichnet.
Die Bevölkerung muss einen unglaublichen Spagat leisten: zwischen ihrer eigenen kulturellen Identität (Sprache, Glauben) und der Zugehörigkeit zu Nepal, das nicht nur eine andere Sprache und Schrift vertritt, sondern auch einen ganz andern Glauben. Die Bemühungen Nepals um die Alphabetisierung der entlegenen Gebiete sind mit gemischten Gefühlen zu betrachten, geht es hier auch um eine klare Anpassungspolitik, um die tibetisch-sprachige Bevölkerung zu nepalisieren.